Ratgeber

So beeinflusst Klang von Gongs und Klangschalen unsere Atmung

So beeinflusst Klang von Gongs und Klangschalen unsere Atmung

So beeinflusst der Klang von Gongs und Klangschalen unsere Atmung

Unsere Atmung geschieht in der Regel ganz von selbst. Sie ist die Grundlage allen Lebens und das wichtigste Werkzeug für Meditation, Yoga und innere Ruhe. In vielen spirituellen Traditionen gilt der Atem als Träger der Lebensenergie (Chi oder Prana), die alle Lebewesen miteinander verbindet.

Meist schenken wir unserer Atmung erst Aufmerksamkeit, wenn wir uns ihr ganz bewusst zuwenden. Oder ihre Bedeutung wird uns erst dann richtig bewusst, wenn uns das Atmen schwerfällt. Auch in ungewohnten oder stressigen Situationen verändert sich unsere Atmung. Manchmal halten wir dann den Atem unbewusst an, atmen flacher oder verspannen unseren Körper.

Auch die Klänge eines Gongs oder einer Klangschale können Einfluss auf unsere Atmung haben. Gerade im Bereich Sound Healing und Breathwork wird diese Verbindung immer häufiger genutzt, um die Wahrnehmung zu vertiefen und einen ruhigen Klangraum zu schaffen. Viele Menschen berichten, dass die Vibrationen ihre Atmung ruhiger, tiefer oder langsamer werden lassen. Doch woran könnte das liegen? Gibt es bereits wissenschaftliche Erklärungen dafür – oder handelt es sich ausschließlich um subjektive Erfahrungen?

Atmung und Nervensystem sind eng miteinander verbunden

Auf viele Funktionen unseres Körpers können wir keinen direkten, unmittelbaren Einfluss nehmen. Herzschlag, Blutdruck oder Verdauung laufen ganz automatisch ab. Bei unserer Atmung hingegen ist beides möglich: Sie läuft automatisch ab und kann gleichzeitig bewusst gesteuert werden. Genau diese Verbindung macht sie so spannend. Verändern wir unseren Atem bewusst, kann dies Prozesse im autonomen Nervensystem beeinflussen und sich beispielsweise auf Herzfrequenz, Stresswahrnehmung oder Entspannung auswirken.

Eine ruhige, langsame Atmung wird häufig mit einer stärkeren Aktivität des parasympathischen Nervensystems in Verbindung gebracht – also jenem Teil des Nervensystems, der eher mit Erholung und Regeneration verbunden ist. Umgekehrt geht Stress häufig mit einer schnelleren und flacheren Atmung einher. Dies steht in engem Zusammenhang mit der Aktivierung des sympathischen Nervensystems, das den Körper auf erhöhte Wachsamkeit und Leistungsbereitschaft vorbereitet.


Wie Gong- und Klangschalen-Klänge die Atmung indirekt begleiten können

Der Klang eines Gongs oder einer Klangschale richtet unsere Aufmerksamkeit stärker auf das unmittelbare Hören und Wahrnehmen. Die Gedanken werden ruhiger und wir fokussieren uns mehr und mehr auf unsere Sinnesreize. Durch das Bündeln der Aufmerksamkeit verändert sich in der Regel auch unsere Atmung, ohne dass wir bewusst eingreifen. Statt den Atem bewusst zu kontrollieren, wird er mehr und mehr beobachtet. So entsteht ein Raum, in dem der Körper leichter loslassen kann und der Atem seinen eigenen Rhythmus findet.

Studien zu Achtsamkeits- und Meditationspraktiken deuten darauf hin, dass das bewusste Wahrnehmen mit all unseren Sinnen Grübeln und innere Anspannung verringern kann. Und genau das geht häufig auch mit einer ruhigeren und gleichmäßigeren Atmung einher.

Der Rhythmus von Gongklängen kann die Atmung beeinflussen

Eine Gongmeditation oder ein Gongbad sind in der Regel nicht streng rhythmisch – dennoch haben die Schwingungen zeitliche Strukturen.

Aus der Wissenschaft ist bekannt: Unser Gehirn reagiert auf wiederkehrende akustische Reize. Dabei können sich biologische Rhythmen bis zu einem gewissen Grad an äußeren Rhythmen orientieren. Dieses Phänomen wird als Entrainment bezeichnet. Beim Entrainment schwingen zwei oder mehr unabhängige, rhythmische Systeme miteinander in Einklang.

In Untersuchungen wurde beobachtet, dass sich bei Menschen beim Hören von Musik die Atemfrequenz oder Herzfrequenz abhängig von Tempo und Dynamik verändern können.

In der Praxis erleben viele Menschen, dass sich ihre Aufmerksamkeit während der ruhigen Klänge eines Gongs oder einer Klangschale stärker auf den Atem richtet. Wissenschaftlich ist dieser Zusammenhang bislang jedoch nur begrenzt erforscht.
Sound Healing und Breathwork – Atem und Klang bewusst verbinden

Ähnlich wie unsere Atmung können wir auch Klänge wahrnehmen. Beim bewussten Lauschen lassen wir die Klänge erst zu uns kommen und spüren, wo wir sie aufnehmen möchten. Danach folgen wir ihnen beim Abklingen und lassen sie dabei wieder los. Ganz Ähnliches passiert auch, wenn wir unserer Ein- und Ausatmung folgen und ganz bewusst beobachten, wie der Atem kommt und geht.

Es kann also hilfreich sein, Klangmeditationen bewusst mit dem Atem zu verbinden. Mit der Zeit entsteht häufig eine Resonanz zwischen Atem, Körper und Klang – die Aufmerksamkeit wird gebündelt und das Klangerleben wird intensiver.

Wissenschaftliche Studien zur Atmung vom Fachverband Klang

In einer Studie untersuchte der Fachverband Klang unterschiedliche Atemdauern. Dabei wurden sowohl die subjektive Befindlichkeit als auch physiologische Parameter wie Herz- und Gehirnaktivität gemessen. Die Ergebnisse zeigten, dass eine langsamere Atmung mit etwa 10 Sekunden pro Atemzug (das entspricht ca. 6 Atemzügen pro Minute) besonders wohltuend sein kann. Die Teilnehmenden berichteten von mehr Entspannung. Gleichzeitig wurden Veränderungen der Herzaktivität und Gehirnaktivität gemessen, die auf eine verstärkte Entspannungsreaktion hindeuten. Besonders wirkungsvoll erwies sich dabei eine etwas längere Ausatmung im Vergleich zur Einatmung.

Jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Klang

Bei allen Erfahrungen und Erkenntnissen, die wir hier gesammelt haben, ist es uns immer wichtig zu betonen, dass jeder Mensch Klang anders erlebt. Während manche bereits nach wenigen Minuten eine ruhigere Atmung wahrnehmen, bleibt sie bei anderen nahezu unverändert. Wie die Erfahrung tatsächlich ist, kann unter anderem auch von der Tagesform, dem Stresslevel oder persönlichen Erwartungen abhängen.
Was bedeutet das für deine Klangpraxis?

Wenn du selbst Gongmeditationen oder Klangbäder anleitest, musst du die Atmung deiner Teilnehmer:innen nicht steuern. Oft genügt es bereits, einen authentischen Klangraum mit sanften Klängen zu eröffnen und den Menschen Zeit zu geben, ihren eigenen Rhythmus zu finden.

Achtsame Klänge, bewusste Pausen und ein behutsamer Umgang mit Dynamik können dabei helfen, dass jede Person ihren ganz eigenen Zugang zum Klang und zum Atem entwickelt.
Olli Hess

Wenn du bereits Erfahrung mit unterschiedlichen Atemtechniken hast und dich gut mit den Voraussetzungen und Risiken auskennst, kannst du diese in deine Klangmeditationen, Klangbäder oder auch in der Klangtherapie einfließen lassen. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Klang und Atmung miteinander zu kombinieren. Im internationalen Raum wird diese Verbindung häufig unter dem Begriff Sound Healing und Breathwork zusammengefasst. Dabei werden Atemübungen mit Klängen – etwa von Gongs oder Klangschalen – kombiniert. Welche Form sinnvoll ist, hängt immer von der jeweiligen Person und dem gewählten Setting ab. Finde deinen eigenen Weg oder lass dich von unserer Übung inspirieren.

Praxis-Übung: Gong-getaktete verbundene Tiefenatmung

Eine besonders wirkungsvolle Form eines klangunterstützten Atemprozesses ist die Gong-getaktete Tiefenatmung. Diese Praktik kannst du sowohl für dich alleine anwenden als auch in einer Gruppe anleiten.

So geht's:

  • Finde eine bequeme sitzende oder liegende Position.
  • Deine Augen können leicht geöffnet bleiben oder geschlossen werden.
  • Atme nun durch die Nase ein, schlage gleichzeitig den Gong an und zähle von 1 bis 10. Stelle dir vor, wie die Klänge zu dir strömen.
  • Atme bis tief in deinen Bauch.
  • Bist du bei 10 angekommen, atme durch den leicht geöffneten Mund aus und zähle noch einmal von 1 bis 10.
  • Lass dabei den Atem tief aus deinem Bauch wieder nach außen strömen.
  • Am Ende der Ausatmung beginne wieder von vorne: Beginne die Einatmung und schlage gleichzeitig den Gong an. Zähle von 1 bis 10.
  • Bist du bei 10 angekommen, beginne mit der Ausatmung und lege deinen Fokus auf das Verklingen des Gongklangs. Zähle dabei wieder bis 10.
  • Achte darauf, dass Ein- und Ausatmung direkt miteinander verbunden sind.
  • Führe dies für etwa 2–3 Minuten fort.

Die Atmung selbst wird als verbundenes Atmen durchgeführt, wie es auch beim Holotropen Atmen nach Stanislav Grof praktiziert wird. Es werden tiefe Atemzüge ohne Atempause zwischen Ein- und Ausatmung durchgeführt.

Hinweis: Verbundenes Atmen kann intensive körperliche und emotionale Reaktionen auslösen. Führe die Übung nur durch, wenn du dich gesund fühlst, und beende sie sofort, wenn Schwindel oder Unwohlsein auftreten. Bei bestimmten medizinischen Erkrankungen* und in der Schwangerschaft solltest du diese Atemtechnik nur nach ärztlicher Rücksprache oder unter fachkundiger Begleitung anwenden.

Zusammenhang von Klängen und Atmung – unser Fazit

Wie du siehst, sind Klang und Atmung eng miteinander verbunden. Auch wenn du mit einem Gong oder einer Klangschale den Atem nicht direkt steuern kannst, können Klanginstrumente einen Raum schaffen, in dem sich die Atmung ganz natürlich beruhigt und vertieft. Dies kannst du sowohl in der eigenen Klangpraxis als auch beim Anleiten von Klangmeditationen oder Klangbädern erfahren und ausprobieren. Nimm dir Zeit, damit zu experimentieren. Jeder Mensch erlebt Klang anders – und genau darin liegt die besondere Vielfalt dieser Erfahrung.

 

Studien

Russo et al. (2017) – Langsame Atmung und Nervensystem
The physiological effects of slow breathing in the healthy human
Bernardi et al. (2009) – Musik beeinflusst Atmung und Herzfrequenz
Dynamic interactions between musical, cardiovascular, and cerebral rhythms in humans
Hinterberger et al. / Fachverband Klang (2019)
Fachverband Klang – Wissenschaft und Forschung

 

*Schizophrenie, unbehandelte bipolare Störung oder Psychose, unbehandeltes posttraumatisches Belastungssyndrom (PTBS), Epilepsie oder Anfallsleiden, Herzkrankheiten oder Herzrhythmusstörungen, COPD oder bestehende Lungenerkrankungen, empfindliche und/oder Frühschwangerschaft, Bluthochdruck, sehr niedriger Blutdruck mit Ohnmachtsanfällen, schwere Asthmaerkrankung, Glaukom und/oder Netzhautablösung sowie schwere Osteoporose oder eine kürzlich durchgeführte größere Operation

Weiterlesen

Neu bei ollihess: Die Wasserfall-Rassel Kabalonga